www.harztaucher.de

              Niederlande 2011 - Hans-Christian Anders / Silke Brugger-Anders

Im Westen Nichts Neues?



Auch wenn exotische Fernziele durchaus locken, so sollte man nicht vergessen, dass sich attraktive Tauch- und Urlaubsgebiete quasi direkt vor unserer Haustüre finden lassen.

Über die Himmelfahrtswoche 2011 waren wir, zusammen mit einen befreundeten Pärchen, in der Region Zeeland / Niederlande, genauer gesagt in Scharendijke. Genächtigt haben wir im Bungalowpark „Zeeland Village“. Der Park bietet diverse einzeln stehende Häuser unterschiedlicher Größe bzw. Gästeanzahl. Die Ausstattung (Küche, mehrere Badezimmer, teilweise mit Sauna und Kamin) ist optimal. Ein großes Grundstück gehört bei vielen Häusern auch mit dazu und die angeschlossene Garage bietet eine gute Möglichkeit, das Tauchequipment zu trocknen und zu lagern.

Zum Park gehört ein kleiner Kiosk mit dem Notwendigsten. Ansonsten gibt es im Ort selbst einen kleinen Supermarkt. Ort und Unterkunft sind somit sehr gut als „Taucher-Basislager“ geeignet.
Oosterschelde bei Zijpn


Tauchbasen
In Scharendijke gibt es 2 Tauchbasen. Da wir unsere eigene Ausrüstung hatten, interessierte uns nur die Füll-Logistik. So waren wir regelmäßig an der Tauchbasis „De Kabelaar“, die eine 24h-Münz-Füllanlage bietet. Für 50 Cent (Münzen kann man ja für die Urlaubsvorbereitung schon mal sammeln) gibt es ca 400 Barliter Luft, sodass eine 10er für ca. 2,50 € gefüllt ist. Da kann man nicht meckern.

Oosterschelde bei Zijpn


Tauchplätze
Die Tauchplätze verteilen sich auf das Grevelinger Meer und die Oosterschelde.

Beide Gewässer bieten eine Vielzahl an Tauchplätzen mit unterschiedlichsten Bedingungen, sodass für jeden Anspruch was dabei ist. Wir empfehlen den Tauchführer für das „Schouwen-Duiveland“, der uns gute Dienste geleistet hat. Ohne diesen Führer sind die möglichen Einstiegsstellen teilweise nur sehr schwer zu entdecken.

Zu beachten ist, dass es Salzwassertauchgänge sind, was bei der Bebleiung nicht ganz unwichtig sein könnte.

Während unseres Aufenthaltes waren die Sichtweiten im Grevelinger Meer nicht so berauschend. 1,5m – bei „wohlwollender“ Betrachtung.

Allerdings macht die Vielzahl an Leben die Sichteinschränkung allemal wett. Jede Menge Krebse, Anemonen, Seesterne und unter jedem 2. Stein saß ein Hummer. Eine Lampe gehört aber zur Pflichtausrüstung, da ab ca. 5m Tauchtiefe schon „Nachttauchgefühle“ aufkommen können. Tauchtiefen unter 10m lohnten hier nicht mehr.

Krebsgetier
Hummer im Grevelinger Meer
Seestern und Anemonen


Die Oosterschelde hat bedingt durch das Gezeitenwehr je nach Tidenstand eine relativ hohe Strömung aufzuweisen. Nicht jeder Platz ist daher für jede Erfahrungsstufe geeignet. Wir sind immer in der Region Zijpn/Bruinisse, also am strömungsärmeren Südende der Oosterschelde getaucht. Allerdings ist hier zu beachten, dass man schnell unter die Fahrrinne gerät. Freie Aufstiege sollten daher vermieden werden. Außerdem können sich, durch den Tidenhub bedingt, gewaltige Änderungen im Wasserstand ergeben. Ein Umstand, dem sich zumindest die „Landratten“ unter uns bei ihrer Planung bewusst sein sollten. Ein Gezeitenkalender ist aber in der Tauchbasis bzw. im www verfügbar. Taucht man aber bei gutem Wetter nach dem Gezeitenkalender, hat man den Einstiegen manchmal wegen des engen Zeitfensters ein gewaltiges Gedränge, weil anscheinend alle Taucher Europas den Einstieg geplant haben. Wir haben uns deshalb immer ein stilleres Plätzchen gesucht. Vielleicht nicht ganz so spektakulär – dafür aber ruhig und nur für uns. Platz ist ja genug. Die Sichtweiten waren hier bei 3m zwar besser, aber noch lange nicht gut. Na ja - man kann nicht alles haben. Legenden berichten aber von Sichtweiten im 15m-Bereich.

Grevelinger Meer
Oosterschelde
Hummer


Egal. Denn die Tauchplätze hier zeichnen sich ebenfalls durch die o.g. Flora und Fauna aus. Hinzu kommen die typischen Nordseebewohner – die Nordseekrabben und die Austern. Die Austernbänke sind wirklich riesig und bieten Versteckmöglichkeiten für allerlei Getier, wie Krebse, Flundern usw. Jeder Tauchgang ist hier spannend und interessant. Video aus Grevelinger Meer/Oosterschelde

Restaurantempfehlung
Essen in Holland ist ja so ein Thema für sich. Die Restaurantpreise liegen 20% bis 25% über BRD-Niveau und sind immer viel frittiert (ich glaube, dort wird alles frittiert, was sich nicht mehr wehren kann). Als absolute Empfehlung möchte ich aber das „Our Seaside“ in Renesse aussprechen. Geniale Lage mit einem irren Ausblick, ausgezeichnete Küche und witzige Kellner machen das Essen hier zum Vergnügen.
Link zum Restaurant "Our Seaside"

Rahmenprogramm
Für die Oberflächenpausen oder für die nichttauchenden Mitreisenden bietet die Umgebung viele Ausflugsmöglichkeiten. Das mittelalterliche Zieriksee oder Middelburg sind schnell erreichbar und auf jeden Fall ein „Muss“. Auch Den Haag, Utrecht oder Amsterdam liegen in „Schlagdistanz“ und lohnen einen Tagesausflug. Das hochgelobte Renesse (Nachbarort von Scharendijke) empfand ich schon als zu touristisch.

„Wozu in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“, meinte einst J.W. von Goethe. Recht hat er, zumindest in Bezug auf die Niederlande.