www.harztaucher.de

              Honduras / Roatan - Marion und Michael Niedorf

Denkt man an die sehr, sehr lange Anreise, die man auf sich nehmen muss, um in das zu Mittelamerika gehörende Land Honduras zu gelangen, kommt es einem doch fast so vor, als fliege man um die halbe Welt.

Im März 2012 haben Marion und ich uns auf den Weg gemacht, um ein neues Land und Tauchgebiet zu entdecken. Honduras und die in der Karibik liegenden Bay Islands sind bei Tauchern aus Deutschland weitestgehend unbekannt. Für amerikanische Tauchsportler jedoch zählt Honduras schon lange zu den Top-Tauchgebieten weltweit. Immerhin verläuft hier entlang,  nach dem Great Barriere Reef,  das zweitgrößte Barriere-Riff der Welt.

Das allein reizte schon,  die lange, mitunter stressige Anreise, auf sich zu nehmen und sich selbst ein Bild von Land, Leuten und natürlich den Tauchgebiet zu machen.

 

Von Berlin ging es nach Amsterdam - hier 2 Stunden Aufenthalt - und  dann mit KLM weiter nach Atlanta (USA), wo wir einen Stop-Over inkl. Übernachtung einlegten. Am nächsten Tag dann nochmals ca.4 Stunden mit Delta Airlines nach San Pedro Sula in Honduras. Einen direkten Flug von Deutschland nach Honduras gibt es noch nicht und dem Stop-Over in den USA kann man somit leider nicht umgehen. Wer die stressigen Flughafenkontrollen in den Staaten kennt, weiß was ich meine.

Nach 2 Tagen waren wir also endlich an unserem ersten Ziel, San Pedro Sula, in Honduras gelandet. Unser Transfer  ließ nicht lange auf sich warten und brachte uns zu einem kleinen charmanten Hotel, wo wir eine Übernachtung zum Eingewöhnen an das tropische Klima und die 8 Stunden Zeitumstellung einlegten. Auch in diesem Jahr machten wir wieder eine Urlaubs-Kombination aus Tauchen und Land-entdecken. Wir haben uns entschieden unseren Urlaub mit einer Rundreise durch Honduras zu beginnen und im Anschluss zum Tauchen auf die Karibik-Insel Roatan zu gehen.

Bereits am nächsten Tag wurden wir von unserem Reiseleiter Saul, einem waschechten Honduraner,  in unserem Hotel abgeholt. Unsere Reisegruppe bestand übrigens nur aus uns beiden und Reiseleiter Saul. Mit einem Pick-Up Jeep begaben wir uns auf eine traumhafte Rundreise  quer durch Honduras, das Land der Mayas und des Regenwaldes. Im Nachhinein kann ich sagen, eine absolut empfehlenswerte Reise. Allein die beeindruckenden Mayastätten von Copan und die fantastische Natur des Regenwaldes  sind schon einen Urlaub wert und lassen einen die lange Anreise schnell vergessen.





                  Mayastätte von Copan                                      Regenwald von Honduras

Nach dieser ersten fantastischen Woche sind wir mit der Fähre, von La Ceiba, auf der zu dem Bay Islands gehörende Insel Roatan gefahren. Die ca. 2-stündige Überfahrt war ziemlich rauh und ein Großteil der Passagiere hatte dadurch echte Magenprobleme und musste aus diesem Grund zur Tüte greifen. Zum Glück blieben wir davon verschont und konnten uns auf die Karibik und vor allem auf die dortigen Tauchgänge freuen.





Unser letzter Besuch in der Karibik war 1995 die Dominikanischen Republik. Umso mehr waren wir also gespannt, ob sich die Unterwasserwelt hier vor Roatan mit der von damals vergleichen lässt.

Tauchen in der Karibik, für viele immer noch der Inbegriff des Tauchens schlecht hin. Sehr klares ,warmes,  blaues Wasser und eine Vielzahl an bunten Korallen sowie meist keine oder  nur geringe Strömung.  Easy Diving eben.

Ja, so könnte man die Karibik auch ohne weiteres beschreiben, aber über eines sollten sich erfahrene Taucher im Klaren sein: Wer hier auf große Fischschwärme  oder die tägliche Haibegegnung hofft, wie z.B. im Komodoarchipel vor Indonesien oder an den Brother Islands im Roten Meer, der ist hier fehl am Platze. Fische sind natürlich auch hier zugegen, jedoch meist nur kleine, vereinzelte Gruppen. Hin und wieder kann man den einen oder anderen Rochen, Barracuda, eine Schildkröte oder mit etwas Glück sogar einen Ammenhai beobachten.

Zu den zweifelsohne  besonderen Tauchgängen auf Roatan zählte ein Sharkdive. Die hier angefütterten  Karibischen Riffhaie kommen bis auf Armlänge an die Taucher  heran und sind somit ein lohnendes Fotomotiv. Ein weiteres Tauch-Highlight, welches man hier auf der Insel nicht verpassen sollte, die Chance mit Delfinen zu tauchen. Beide Tauchgänge  haben wir natürlich durchgeführt und beide sind unserer Meinung nach absolut lohnenswert.  Ich werde später nochmals genauer darauf eingehen. Wir freuten uns auf die Karibik und  ließen uns einfach überraschen.

Wie viele verschiedene Tauchplätze Roatan besitzt liegt in den Sternen. Unsere Tauchbasis „Subway Watersports Roatan“ hat etwa 40 bis 50 Stück katalogisiert und ständig kommen neue dazu.  Da wir in der Karibik sind, taucht man in eben dieser typischen UW-Landschaft. Exzellente Weichkorallen, große Tonnenschwämme, schwarze und rote Korallen sowie die in der Karibik häufig anzutreffende Geweihkorallen prägen die UW-Welt. Die von uns angefahrenen Tauchgründe befanden sich allesamt in einem hervorragenden Zustand.





Hier nun eine kurze  Beschreibung zu einigen von uns besuchten Tauchplätzen vor Roatan.

Unser erster Tauchgang führte uns zu einer Unterwasser-Höhle, Namens„Dolphins Den“. Das relativ einfach zu betauchende Höhlenlabyrinth,  welches sich kreuz und quer durch das Riff  schlängelt, hat einiges zu bieten. In einigen dunklen Ecken und Spalten verstecken sich große Muränen und Lobster. Beim Durchtauchen der Höhle stießen wir auf das Skelett eines Delphins, welcher hier  in den Höhlengängen vor Jahren seinen Tod fand. Scheinbar führte  dieser traurige Vorfall auch zur Namensgebung dieser Höhle.

Beeindruckend waren die wunderbaren Lichtspiele, die ab und an das Sonnenlicht durch Öffnungen in der Höhlendecke fallen ließen und wie Scheinwerfer-Spots die dunklen Gänge beleuchteten.

Die Höhle kann von zwei Seiten des Riffs betaucht werden. Zum einem taucht man vom Innenriff aus, in ca. 4m Tiefe über relativ langweiligen Sandboden bis hin zum Eingang. Die zweite Variante geht vom Aussenriff über ein Korallenriff bis zu einem weiteren Eingang. Beim Übertauchen des Korallenriffs sind wir 2 x auf Ammenhaie gestoßen und schon aus diesem Grund würde ich die zweite Variante favorisieren. Wir haben beide Varianten ausprobiert und fanden die zweite wesentlich besser und interessanter.

 

Ein weiterer, unserer Meinung nach, schöner Tauchplatz liegt am Wrack der „ Le Aguila“

Hier muss ich allerdings sagen, dass nicht das Wrack den Tauchgang ausmacht, sondern eher das in der Nähe liegende Korallenriff. Das Wrack selber, ein alter  Frachter, welcher in zwei Teile zerbrochen auf dem Sandboden in 35m Tiefe liegt, beherbergt neben sehr zahmen, großen Zackenbarschen auch recht stattliche grüne Muränen. Der Korallen-Bewuchs ist eher spärlich und eine ausgiebige Entdeckungstour in das Innere des Wracks ist leider auch nicht möglich.

Nur einige Flossenschläge entfernt beginnt ein sehr schönes Korallenriff, an dem sich unglaublich viele, dicke Zackenbarsche aufhalten und scheinbar auf uns Taucher warten. Ich gehe davon aus, dass hier öfter das eine oder andere Häppchen für die „Jungs“ abfällt. Gerade, wenn man etwas länger im tieferen Bereich des Wracks unterwegs war, ist das Riff ideal zum Austauchen. Es gibt überall Spalten und Winkel, in denen sich viele Fische und jede Menge Kleingetier aufhalten. Mit etwas Glück sieht man hier auch sehr gut getarnte Drachenköpfe.





Eines der absoluten Highlights war für uns das Tauchen mit Delphinen im offenen Ozean.

Marion hatte schon seit langem den Wunsch, Delphinen beim Tauchen mal ganz, ganz nahe zu sein. Dieser Wunsch sollte sich für sie im „Roatan Institute of Sciences“ erfüllen.

Neben der Delphin-Forschung betreibt das Institut auch ein erstklassiges Zusammenspiel zwischen  Tourismus, Delphinschutz und Aufklärungsarbeit.  

Vor dem eigentlichen Tauchgang gab es allerdings erst einmal ein ausführliches Briefing. Unsere Tauchgruppe versammelte sich auf einer Plattform und bekam die beiden Delphine, die den Tauchgang begleiten sollten, vorgestellt. In unserem Fall waren es Paya, das ca. 30 Jahre alte Alphamännchen und Ritchi, ein echter Jungspunt.  Ein Delphintrainer erläuterte uns die Delphin-Haltung im Institut, brachte uns die Anatomie der Delphine näher, wobei sich Paya im Wasser vor uns auf die Seite legte und streicheln ließ.





Nach etwa einer halben Stunde der Gewöhnung und des Kennenlernens, ging es raus aufs Meer zum eigentlichen Tauchplatz. Wir fuhren mit unserem Tauchboot voraus und ein kleineres Boot mit zwei Delphintrainern folgte uns; dem wiederum folgten die beiden Delphine aufs offene Meer.

Wir tauchten in etwa 17m Tiefe ab und knieten im Sand, wenig später gesellte sich der Delphintrainer dazu und dann hieß es warten.

Die Bedingungen unter Wasser waren hervorragend. Gute 40-50m Sichtweite, nur leider war kein Delphin zu sehen. Gelegentlich hörte man ihr knarren oder pfeifen, doch wo waren sie?

Tatsächlich tauchte nach einer Weile des Wartens der erste der beiden Delphine auf und schwamm kurz an uns vorbei. Die kurzen Besuche wiederholten sich noch einige Minuten lang, bis sie sich schließlich tatsächlich entschlossen, bei uns zu verweilen. Sie schwammen zu jedem Taucher und ließen sich von uns berühren. Der körperliche Kontakt wurde von ihnen regelrecht gesucht.  Endlich war es soweit, Marion war überglücklich und konnte von den Tieren gar nicht genug bekommen. Um so lange wie möglich bei ihnen zu bleiben, haben wir unsere Flaschen fast leer geatmet.

Wenn man bedenkt, wie scheu sich in der Regel wilde Delphine gegenüber Gerätetauchern  verhalten, war dies schon eine einzigartige Erfahrung, die wir jederzeit wiederholen würden.

 









Über die Haltung von Delphinen in Delphinarien mag man geteilter Meinung sein. Hier hatte ich nicht das Gefühl, mir Gedanken machen zu müssen, denn wenn Delphine die Möglichkeit haben, frei im Meer zu schwimmen, und dann freiwillig ins Institut zurückkehren, kann es ihnen dort nicht wirklich schlecht gehen.

 

Ein weiterer Top-Tauchgang war der Hai-Tauchplatz  „Cara-Cara“ (Face to Face). Bei diesem Tauchplatz handelt es sich um einen klassischen Sharkdive, wobei etwa 20 Karibische Riffhaie angefüttert werden. Eigentlich sind wir keine Freunde von solchen Anfütterungsritualen, aber die Chance, so nahe an einen Hai zu gelangen, ist sonst eigentlich fast unmöglich. Wir haben schon sehr oft in anderen Tauchurlauben verschiedenste Haie vor die Maske bekommen, aber gute Fotos mit nach Hause zu bringen ist sehr schwer.

Für mich als leidenschaftlicher UW-Fotograf war es eine perfekte Gelegenheit, die Tiere aus nächster Nähe abzulichten.

Durchgeführt wird der Hai-Tauchgang vom Waihuka-Adventure-Diving-Center, einer Tauchbasis die sich auf das Tauchen mit Haien spezialisiert hat und dieses unsers Erachtens ausgezeichnet durchführt. Bevor es losgeht, sitzt die Tauchgruppe in einem Schulungsraum und wird auf alle Verhaltensregeln und Gefahren,  die während des Tauchganges auftreten könnten, hingewiesen. Da sich die Haie bis auf Armlänge heranwagen ist das „ NO Touching“ ein absolutes Muss. Jeder der seine Gliedmaßen wieder heil mit nach Hause bringen möchte, sollte sich auch daran halten. Wer jetzt keine Lust mehr verspürte, hatte nun die letzte Chance den Tauchgang abzusagen.

Mit einem leistungsstarken Motorboot ging es dann von Coxon Hole aus zu dem ca. 25min entfernten Tauchplatz.

Dort angekommen, nochmals kurzes o.k. und dann ab ins Blauwasser.  Hier erfolgte der Abstieg entlang der Bojenleine bis auf eine Tiefe von ca. 23m.  Bereits beim Abtauchen konnten wir schon die ersten patrouillierenden Riffhaie unter uns erblicken. 

An einer kleinen Riffwand mit sandigem Untergrund versammelten wir uns und jeder der Taucher suchte sich einen Platz von wo aus er meinte dem Treiben am besten beiwohnen zu können.

Unser erfahrener Tauchguide holte aus einem mitgeführten Eimer einen halben Fischkadaver hervor und wedelte diesen durch das Wasser. Die ersten Karibischen Riffhaie ließen nicht lange auf sich warten und wurden mit einem Happen belohnt. Er  hatte bei dieser, doch  fraglichen Art der Fütterung, seine Hände mittels Netzgitter-Handschuhen geschützt. Nachdem die ersten Häppchen verteilt wurden, haben wir es uns gewagt von der schützenden  Riffwand weg zu tauchen. Jetzt hatten wir das Vergnügen, inmitten der -inzwischen auf ca.20 Tiere gewachsenen Gruppe- hindurch zu tauchen. Gemeinsam mit den bis zu 2,5m großen Haien schwammen wir eine  Runde über das Riff, wobei wir ständig von ihnen beobachtet wurden. Sie kamen von allen Seiten, schwammen über, unter und neben uns. Es war unbeschreiblich.





Nach diesem Ausflug versammelten wir uns wieder an der Riffwand um den großen Finale entgegen zu sehen.

Der Eimer mit den Fischkadavern wurde geöffnet und die Reaktion der Haie änderte sich schlagartig. Mehrere Tiere stürzten sich gemeinsam auf den Eimer und versuchten einen Fischbrocken zu ergattern. Hier konnten wir wunderbar beobachten, wie schnell die Haie in einen regelrechten Fressrausch verfallen. Es wurde auf alles gebissen, was sich in der Nähe des Eimers befand. Wir waren zum Glück weit genug entfernt.

Das  Schauspiel dauerte nur wenige Minuten, dann wurde es wieder ruhiger und nach und nach verschwanden die Tiere im weiten Blau des Ozeans. Nach einer kurzen Dekopause  tauchten wir an der Bojenleine auf und während der Rückfahrt hatten alle an Bord nur ein Thema “Sharks „.

So unglaublich intensiv und spannend dieser Tauchgang auch gewesen war, so hat dieser uns auch gezeigt, wie sehr doch der Mensch das Verhalten von eigentlichen scheuen Tieren beeinflussen kann.

Für uns bleibt es auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis.





Die weiteren Tauchplätze die wir besucht haben, lagen alle im Norden der Insel und ähnelten sich alle sehr stark. Hier genügt deshalb eine allgemein zutreffende Beschreibung.

Die Riffe im Norden sind relativ steil und enden meist auf Sandgrund in 25-30m Tiefe. Einige sind allerdings auch tiefer, was sich aber nicht unbedingt lohnt. Viele Stellen im Riff  sind mit Kanälen und Spalten durchzogen, an deren Wänden sich etliche unterschiedliche Korallen befinden. Tonnenschwämme und Geweihkorallen sind überall zugegen und auf dem Sandgrund befinden sich einzelne Korallenstöcke. Hier hat man auch die besten Chancen, den einen oder anderen Rochen zu beobachten. Meist sind es kleinere Stechrochen, die sich im Sand vergraben, und erst beim Antauchen fluchtartig ihr Versteck verlassen. Bei einem Tauchgang hatten wir das Glück, einen Adlerrochen zu beobachten. Leider war dieser nur für sehr kurze Zeit bei uns und ich hatte nicht die Gelegenheit ihn zu fotografieren.

 

Das haben wir noch gesehen: Karettschildkröte, Ammenhaie, Kaiserfische, Seepferdchen, Drachenköpfe, Zackenbarsche, Barracuda, Sephien und natürlich viele andere Riffbewohner.

Zum Abschluss möchte ich bemerken, dass die Tauchgänge  hier in der Karibik so gewesen sind, wie ich es erwartet habe. Es ist schön, aber nicht als Weltklasse-Tauchgebiet einzustufen. Ich denke, dass Honduras und die Bay Islands als reines Tauchziel die sehr lange Anreise nicht rechtfertigen. Einen Karibik-Tauchurlaub, mit einer Rundreise durch Honduras zu kombinieren, ist meiner Meinung nach die bessere Variante. Wir  haben jedenfalls mit dieser Kombination wieder einmal einen traumhaften Urlaub erlebt, an den wir noch lange zurückdenken werden.

 

Gruß Micha