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              Komodo-Archipel 2010 - Marion und Michael Niedorf

Allgemeine Informationen
Nach einer langen Phase der Vorbereitung begaben wir uns im Mai 2010 auf eine traumhafte kombinierte Segel-Tauchreise ins Gebiet der Komodo Inseln.

Das zu Indonesien gehörende Komodo Archipel gilt als eines der Weltklasse-Tauchgebiete. Aus eben diesem Grund stand es auch schon seit langem auf unserem Wunschzettel. Hauptziel unserer Reise war der Komodo Nationalpark zwischen den Inseln Sumbawa und Flores. Innerhalb der Parkgrenzen liegen die Inseln Komodo, Rinca und Padar sowie viele kleine Inseln und Riffe. Der Komodo Nationalpark ist einer der ältesten Nationalparks Indonesiens und wurde ursprünglich zum Schutz der nur dort vorkommenden Komodo-Warane eingerichtet.

Die zum Teil lange Anreise von Frankfurt über Kuala Lumpur nach Bali bis zum Ziel-Flughafen Labuhan Bajo auf der Insel Flores sollte man nicht in einem Stück bewältigen wollen. Einen Stop-Over an einer der Zwischenstationen ist auf jeden Fall lohnenswert und ratsam für die Eingewöhnung auf die sechs bzw. sieben Stunden Zeitumstellung. So machten wir es auch und starteten nach ein paar Tagen der Gewöhnung von Bali aus mit einem Kleinflugzeug vom Typ Fokker 50 in das ca. 1,5 Stunden entfernte Flores. Der Inlandsflug war eigentlich schon eine spaßige Sache, wenn zum Teil auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Letztendlich entschädigte aber ein Blick aus dem Fenster für sämtliche Strapazen oder gar ein aufkommendes unwohles Gefühl.



Am Flughafen auf Flores angekommen, wartete bereits ein Mitglied der Schiffs-Crew, welches uns zu dem ca.10 Minuten entfernten Hafen brachte. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Zodiak konnten wir endlich das Schiff betreten. Für eine Woche war nun die „Moana“, ein indonesischer Pininsi-Schoner, unser Zuhause. Tauchsafaris haben wir schon öfter gemacht, doch auf einem Segelschiff war auch für uns ein vollkommen neues Erlebnis. Die „Moana“ ist ein Zweimaster, der im April 2004 nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt wurde. Das Schiff bietet sowohl die gemütliche und entspannte Atmosphäre eines Segelschiffes, als auch den modernen Komfort, den jeder Taucher sich für einen Urlaub wünscht.

Gespannt auf die kommenden Tauchtage machten wir es uns auf dem Oberdeck bequem und lauschten unserem Guide Ingo bei seinem ausführlichen Briefing. Während wir den Hafen verließen, wurden alle wichtigen Grundregeln zum Schiff und Tauchbetrieb erklärt. Am selben Abend, kurz bevor die Sonne im Meer versank, machten wir am Ankerplatz fest. Dass unser erster Tauchgang ein Nachttauchgang sein wird, hatten wir eigentlich nicht erwartet, scheint aber hier nichts Ungewöhnliches zu sein. Da es uns eigentlich egal war, ob nun mit oder ohne Checktauchgang, waren wir nun gespannt, was uns hier in der Nacht wohl vor die Maske schwimmt.



Hier einige Tauchplatzbeschreibungen der von uns betauchten Plätze im Komodo Archipel:

Nachttauchplatz/Ankerplatz Sabajour Kecil liegt unweit einer kleinen Insel in einer von weißem Sandstrand umgebenen ruhigen Bucht. Abtauchen bei Nacht im Freiwasser ohne Grundsicht, ohne Riff oder andere Orientierungspunkte ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Für erfahrene Taucher, welche wir alle an Bord waren, sollte dies eigentlich keine Probleme bereiten. Bei 19m endete der Abstieg auf einer großen Sandfläche und es dauerte noch einige Minuten, bis man einzelne kleine Korallenstöcke in einer Tiefe von etwa 15m im Scheinwerferkegel ausmachen konnte. Den Tauchgang führten wir parallel zum Sandstrand durch und blieben größtenteils im 10-12m Bereich. Wie zu erwarten, war alles mit Leben erfüllt und zwischen den unzähligen wunderschönen ausgebreiteten Federsternen gab es vor allem im Makrobereich jede Menge zu beobachten. Schnecken, Sepias, Lobster, Schlangenaale, Muränen und so weiter und so weiter. Nach fast einer Stunde Tauchzeit stiegen wir sichtlich zufrieden auf und waren uns bereits jetzt schon sicher, dass man hier auf spannende Tauchgänge hoffen konnte.

Bereits am nächsten frühen Morgen machten wir uns bereit zu meinem persönlichen Highlight dieser Tour. Den Platz Castle Rock, welcher wegen seiner zahlreichen Großfischbegegnungen bekannt ist, wollte ich unbedingt betauchen. Da hier zum Teil mit starken Strömungen gerechnet werden muss, sollte auf das Mitführen eines Riffhakens nicht verzichtet werden.

Unsere aus sechs Tauchern bestehende Gruppe wurde mit dem Zodiak zum Tauchplatz gebracht, wo wir nach guter alter Manier mit klassischer Rückwärtsrolle ins Meer glitten. Gleich nach dem Abtauchen empfiehlt es sich, dicht am Riff zu dem in etwa 25m Tiefe gelegenen Plateau zu gelangen.
Castle Rock -ein gesunkener Felsbrocken- ist einer der spektakulärsten Tauchplätze im Gebiet und bietet eine fantastische Show, die jedes Taucherherz höher schlagen lässt. Hier ist das Zuhause von unzähligen Weißspitzen- und Schwarzspitzen-Riffhaien, sowie Grauhaien. Die scheinbar nicht endende Hai-Parade, welche in starker Strömung auf und ab patrouillierten, ließen leider nur wenig Zeit, auf andere Dinge zu achten. Wir verbrachten den größten Teil des Tauchganges am Plateau im Sand kniend und ließen das Schauspiel auf uns wirken. Einfach unbeschreiblich.





Neben den Haien gab es auch unendlich viel Schwarmfisch, wie z.B Makrelen, Schulen von Fledermausfischen, große und kleine Napoleon-Lippfische, Schildkröten usw. Wer Zeit hatte, konnte auch jede Menge Kleinzeug beobachten. Ich nutzte allerdings nur die letzten Minuten während des Sicherheitsstopps, um mich an den kleinen Sachen, wie z.B. Geistermuränen oder Porzellankrebsen, zu erfreuen. Hier muss eben jeder für sich selber entscheiden, was er sehen will. Für mich steht fest, dass Castle Rock der beste und abwechslungsreichste Tauchplatz während unserer Tour gewesen ist. Zum Glück wurde dieser Platz am nächsten Tag auch noch ein zweites mal aufgesucht und mit dem gleichen fantastischen Erlebnissen belohnt.

Ganz in der Nähe des Castle Rock liegt ein weiterer spektakulärer Tauchplatz namens Crystal Rock. Nur bei Ebbe ist dieser kleine Felsen zu sehen. Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Stein von sehr klarem, aber auch strömungsreichen Wasser umspült. Auch hier empfiehlt es sich, nicht tiefer als 25m zu tauchen. Die üppigen farbigen Weichkorallen und riesigen Fischaufkommen, wie z.B. Orientalische Süßlippen oder Thunfische, Makrelen, Scorpionfische, Muränen und nicht zu vergessen, der eine oder andere Weißspitzen-Riffhai, ließen auch diesen Platz bei uns unvergessen werden.


Batu Balong ist ebenfalls ein Felsen, der nur knapp über die Wasseroberfläche hinausragt. Ein O-förmig durchlöcherter Felsen hat dem Tauchplatz seinen Namen gegeben. Balong heißt Ohr in der Sprache der Bugis. Je nach Strömungsverhältnissen kann dieser Tauchplatz an der Nord- oder Südseite jeweils im Strömungsschatten betaucht werden. So lange man sich im geschützten Bereich aufhält, ist dies ein unproblematischer Tauchgang mit großen Fischschwärmen, Schildkröten und Haisichtungen. Sollte man allerdings in die Strömung geraten, ist mit Sicherheit der Spaß vorbei. Verwirbelungen und eine starke Tiefenströmung können Taucher in die Tiefe drücken und ermöglichen erst weit ab vom Tauchplatz einen sicheren Aufstieg. Also immer schön dicht am Riff bleiben und nicht versuchen, einen Fisch im Blauwasser hinterher zu schwimmen. Uns gefiel die Nordseite besser als die Südseite. Der Vergleich: „Wie im Aquarium !“ ist hier treffend.




Passage ll ein weiterer sehr schöner Tauchplatz, der allerdings nur betauchbar ist, wenn es die Strömungsverhältnisse zu lassen. Da sich unweit der Passage der tägliche Wasseraustausch zwischen dem im Komodo-Archipel nördlich liegenden Pazifik und dem im Süden angrenzenden Indischen Ozean stattfindet, ist ein tauchen während dieser Zeit unmöglich. Hier, so sagt man, treten die zum Teil knackigsten Strömungen Indonesiens auf. Selbst Schiffe vermeiden es, in dieser Zeitspanne gegen die zum Teil 10 Knoten starke Strömung anzukämpfen, die ein Vorwärtskommen fast unmöglich macht. Wir nutzten natürlich die Zeit während der Gezeitenpause, um uns das ausgesprochen hübsche Riff aus der Nähe zu betrachten.

Der Tauchgang lief recht unproblematisch ab und stellte auch keine besonderen Herausforderung dar. Abtauchen und mit der leichten Strömung am Riff linke Schulter treiben lassen. Riff endet bei ca. 20m und geht danach in eine tief abfallende Sandfläche über. Auf der Sandfläche gab es dutzende Sandaale und zwischen einigen kleinen Korallenstöcken versteckten sich große Gruppen von Glasbarschen. Einige aus unserer Gruppe konnten auch einen auf dem Sand liegenden Weißspitzen-Riffhai entdecken. Wir haben diesen leider verpasst, was aber nicht so schlimm war, denn das Riff hat auch ohne Hai Spaß gemacht und eine Menge zu bieten gehabt.

Tatawa Besar eine Insel an deren Seiten ein langgezogenes fantastisches Korallenriff verläuft. Bei mäßiger Strömung tauchten wir über riesige Felder von Weichkorallen. Ein wahres Feuerwerk an Farben hat diesen Platz so beeindruckend gemacht. Wahrscheinlich durch das starke Vorkommen verschiedenster Weichkorallen gab es hier auch viele Schildkröten zu sehen. Neben den Schildkröten taucht man in Fischschwärmen von Snappern, Schulen von Füsselieren, Stachelmakrelen, vereinzelten Napoleonfischen. Wer Zeit und Lust hat, entdeckt auch hier jede Menge Schnecken. Auch hier lohnt es sich, mehrere Tauchgänge zu machen.

Wanilu ein Tauchplatz, welcher sich von allen anderen Tauchplätzen erheblich unterscheidet. Man taucht in unmittelbarer Nähe eines Mangrovenwaldes ab und das erste was einen auffällt: Das Wasser hat schlechte Sicht und ist grün. Man kommt sich ein wenig vor, als würde man in einen heimischen Kiessee abtauchen. Es gibt keine Korallen, sondern nur Sand. Bereits nach wenigen Minuten hat man sich aber an die ungewöhnliche Sichtweite und Farbe des Wassers gewöhnt und bemerkt, welche unglaubliche Vielfalt an Leben sich hier verbirgt. Wir sahen mehrfach Geistermuränen, viele Schnecken, Korallenwelse, Drachenköpfe aber auch der scheue Fangschreckenkrebs ließ sich kurz mal blicken, um dann schnellstmöglich wieder unter einem Stein zu verschwinden.





Wenn man sich im Gebiet aufhält, sollte man neben dem Tauchen auch Zeit haben, die einmalige Natur der Komodo-Inseln über Wasser kennen zu lernen.

Eine wirklich beeindruckende Show in der Abenddämmerung war der Massenstart von tausenden großen Flughunden aus einem Mangrovenwald. Es dauerte eine gute halbe Stunde bis sich auch der letzte Flughund mit lautem Geschnatter in Richtung der großen Inseln aufmachte. Auf diesen Inseln gibt es ausreichend Früchte, wovon sich die nachtaktiven Tiere ernähren.

Natürlich ist die Hauptattraktion bei einer Komodotour das Zusammentreffen mit den berüchtigten Komodo-Waranen während eines Landgangs. Diese auf der Welt nur hier lebende größte Echsenart muss man einfach gesehen haben. Wir gingen auf der Insel Rinca an Land und besuchten die dortige Rangerstation. Nach einer kurzen Einweisung zum Schutz der Tiere (wie auch zu unseren eigenem Schutz) machten wir uns zu einer Waran-Safari startklar. Bereits nach wenigen Metern konnten wir die ersten Exemplare auf einer freien Fläche entdecken. Wir waren beeindruckt von der Größe dieser Tiere und ließen sie auch nicht mehr aus den Augen. Sie lagen zwar dösend in der Sonne, was aber nicht bedeutet, dass sie schnell aufspringen und zu beißen könnten. Unser Führer hatte zwar einen längeren abgesägten Ast zum Abdrängen aufdringlicher Warane mit dabei, aber wirklich sicher schien uns diese einfache Art der Abwehr natürlich nicht.



Neben den Waranen haben wir auch Büffel und Affen beobachten können.

Der Besuch auf Rinca dauerte etwa 3 Stunden und war für uns ein beeindruckendes Naturerlebnis und ein wunderbarer Abschluss unserer genialen Tauch-Safari.

Manta Point Bali

Nach der spannenden Woche im Komodo-Archipel flogen wir zurück auf die Insel Bali. Den Rest unseres Urlaubs wollten wir noch ein wenig Kultur, Land und Leute kennen lernen. Trotz unserer zahlreichen Land-Ausflüge mit Tempelbesuchen und Vulkanbesuch, habe ich noch Zeit gefunden, mir einen der bekanntesten Tauchplätze Balis anzusehen.

Der Manta Point Nusa Penida ist wie der Name schon sagt, ein Tauchplatz, wo man mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen Manta trifft. Aus eben diesem Grund wollte ich mir den Platz näher betrachten. Vom kleinen Hafen Padang Bay aus dauert die Überfahrt mit dem Boot zur Insel Nusa Penida etwas über eine Stunde. Wer nicht seefest ist, sollte sich vorher eine Tablette von der Tauchbasis geben lassen. An diesem Tag war das Meer relativ ruhig, was allerdings nicht sehr häufig der Fall ist und wir kamen recht gut und sicher am Tauchplatz an. Zu meiner Verwunderung waren wir das einzige Tauchboot und umso mehr freute ich mich auf den nun folgenden Tauchgang. Bereits beim Festmachen des Bootes sahen wir schon die ersten schwarzen Schatten dicht unter der Wasseroberfläche vorbei ziehen. Jetzt wurde es aber höchste Zeit sich die ganze Sache unter Wasser anzusehen. Der relativ flache Tauchplatz der mit einer Tiefe von 12m anfänglich keine taucherische Herausforderung darstellt, zeigte uns bereits nach dem Abtauchen das man sich schnell täuschen kann.

Da sich die Mantas gerne an der Putzerstation im flachen Wasser aufhalten, bekommt man hier mit voller Wucht die enorme Dünung zu spüren. Zwischen großen abgerundeten Felsen wird man wie ein Korken hin und her gespült. Am besten man versucht nicht gegen die Dünung anzukämpfen und lässt sich einfach nur von ihr tragen. Die Mantas, die sich hier aus der Anwesenheit der Taucher scheinbar gar nichts machen, kommen trotzdem zum Putzen an die Felsen und man kann sie aus nächster Nähe beobachten. Die Sichtbedingungen sind hier leider nicht sehr gut und somit bemerkt man die Tiere erst kurz bevor sie vor einem auftauchen. Wir haben mehrere Mantas in verschiedenen Größen und Färbungen angetroffen; schätzungsweise waren es bis zu 8 Stück. Ich war nach dem Tauchgang sehr zufrieden, wenn auch leider mein perfektes Mantafoto noch immer nicht entstanden ist.



Zusammenfassend können wir sagen, dass die Tauchgänge im Komodo Nationalpark die besten, abwechslungsreichsten und anspruchsvollsten gewesen sind, die wir je gemacht haben. Keine Frage, dass Tauchen hier ist nichts für Anfänger und die Strömungen gehören mit Recht zu den stärksten im indonesischen Raum. Die Vielfalt und die nahezu intakte Unterwasserwelt sind auf der Welt fast einmalig und machen das Gebiet somit zu einem Weltklasse-Tauchgebiet.