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              Costa Rica / Cocos- Nancy Brewig mit Vater Peter Brewig

Tauchsafari auf der Wind Dancer
14.9.2012 – 27.9.2012

 

Freitag, 14.9.2012

Wir fahren in aller Frühe nach einer einzigen, unruhigen Stunde Schlaf zum Flughafen. Der Check In läuft bis darauf, dass wir ein Gepäckstück zu viel haben, recht gut. Nachdem wir die 60 EUR extra gezahlt haben, geht es ab nach Madrid und nach kurzem Aufenthalt weiter nach San Jose in Costa Rica. Iberia ist ganz furchtbar schlimm, man muss ums Wasser förmlich betteln, es gibt keine sehbaren Filme und das Essen ist ziemlich mies, sogar für Flugzeugessen.

 

Wir kommen in San Jose an und alles klappt super, der Fahrer erwartet uns am Ausgang und es geht innerhalb von 40 min zum Hotel Alta, das in einer sehr schönen Gegend liegt (ganz in der Nähe wohnt auch die Präsidentin von Costa Rica). Das Zimmer ist sehr schön mit tollem Ausblick über San Jose, und nach einem interessanten Ausflug in die gehobene Küche (zwei Vorspeisen, die mit Zänglein und weißen Handschuhen serviert werden) schlafen wir selig ein und durch bis zum nächsten Morgen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger ununterbrochen seit 36 Stunden wach und entsprechend tief war unser Schlaf.

Samstag, 15.9.2012 und Sonntag, 16.09.2012

Nach einem sehr reduzierten Frühstück (Früchte, komische Küchlein, Butter, Toast und weiter nichts) holt uns 10 Uhr der Bus ab, der uns zum Hafen Puntarenas bringt. Unser Fahrer Rudi erzählt zwischendurch jede Menge Interessantes über Costa Rica und es wird klar, in diesem Land müssen die glücklichsten Menschen der Welt wohnen, so man seinen Worten Glauben schenken mag. Ein paar Fakten, die ich recht bemerkenswert fand, in zufälliger Reihenfolge:

- Costa Rica hat seit 1947 keine Armee mehr.

- Im Land gibt es drei verschiedene Arten Regenwald - von trockenem Regenwald bis hin zum ultrafeuchten im Süden.

- 5 Mio Einwohner leben hier, die ihr Geld vor allem in High Tech (ich weiss ja nicht...), Bananen, Tourismus und Kaffee machen.

- Die Analphabetenquote liegt bei weniger als 3 Prozent.

- Arme Menschen gibt es sehr wohl, allerdings garantiert der Staat, dass jedes Kind Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung hat. Um das zu erreichen werden die menschlichen Grundbedürfnisse, wie z. B. Transport und Bildung, stark subventioniert, so dass es sich jeder leisten kann. Andererseits muss man wohl für ein Auto schon einmal 100 Prozent mehr an Steuern zahlen.

- Costa Rica wird auch der „trockene Kanal“ genannt, weil Waren, wenn nicht durch den Panamakanal, auch durch das Festland Costa Rica’s transportiert werden können, um vom Pazifik in den Atlantik oder in die entgegengesetzte Richtung zu gelangen.

Puntarenas selbst sieht ziemlich runtergekommen aus. Am Hafen wartet dann schon die Wind Dancer und wir begeben uns, mit dem Gefühl unserem Ziel schon ein ganzes Stückchen näher zu sein, auf das Schiff.

Natürlich wollen die sich anschließenden ca. 36 Stunden Fahrzeit zu Cocos Island nicht enden. Die erste Nacht im fahrenden Boot ist schwierig, ich kämpfe mit Seekrankheit und Papa mit dem Jetlag. Die Leute an Board sind eine bunte Mischung aller Nationen, vorrangig sehr erfahrenen Taucher, die schon alles gesehen zu haben scheinen und sich nun mit Cocos ihren großen Traum erfüllen. Ich mach dann doch noch schnell ein Nitrox-Zertifikat an Bord, weil einfach alle mit Nitrox tauchen und das, laut unserem sehr netten Guide Carlos, auch aus gutem Grund.

Das Essen an Board ist super. Für uns gibt es immer eine Alternative, wenn es Fleischgerichte zum Mittag oder zum Abendessen gibt. Man vertreibt sich die Zeit mit Lesen, Tauchequipment fertig machen, den allgemeinen Breefings mit Carlos und Faulenzen. Die ersten aufregende Momente haben wir als zwei Mal während der Fahrt Delphine auftauchen und sich entschließen uns ein Stück Weg zu begleiten. Dieses Schauspiel ist wunderschön, und was man empfindet, bei dem Anblick dieser entfesselten Natur, nicht in Worte zu fassen. So langsam werde alle sehr ungeduldig, und die Nachricht, dass wir die Insel in der geplanten Zeit um Mitternacht erreichen werden, löst eine gespannte Vorfreude  aus!

 

Montag, 17.9.2912

Als ich an diesem Morgen aufwache, bewegt sich das Boot nicht mehr. Ohne es zu merken sind wir planmäßig gegen Mitternacht in Cocos angekommen. Wir werfen die ersten Blicke auf die Insel, deren Buchten für die kommenden sieben Tage unser zu Hause sein werden.

Für heute sind drei Tauchgänge geplant. Für den Check Dive steuern wir Manuelita Garden an, wo es recht flach ist (Tauchtiefen zwischen 15 und 20 m) und wenig Strömung vorkommt. Schnell stellen wir fest, dass der Service an Board absolute Klasse ist. Nach jeden Tauchgang stehen reichlich Obst und Snacks auf Deck. Es kann unmittelbar nach dem Tauchgang am offenen Heck des Bootes warm geduscht werden. Außer um seinen Computer und seinen Anzug muss man sich während des Tauchtages um nichts kümmern. Die Ausrüstung bleibt in einem der beiden Pangas, und dort werden auch die Flaschen nach jedem Tauchgang aufgefüllt. Wir sind im Panga 2, zusammen mit dem bekannten UW-Fotografen Franco Banfi und seinem Schüler Giami aus der italienischen Schweiz, Uwe, dem einzigen anderen Deutschen an Bord, Yoko, der zierlichen Japanerin, die mit einem Kilo Blei auskommt, den zwei sehr lauten und sehr unterhaltsamen Australien, Matthew and Coreen, den beiden Brasilianern, Mario und Rafael, und James, dem Tauchlehrer aus Hawaii. Jedes Buddy-Team führt mindestens eine UW-Kamera mit sich!

Prinzipiell fahren die beiden Pangas immer zu unterschiedlichen Tauchplätzen, so dass man den Luxus genießt die Unterwasserwelt, für die Dauer des Tauchgangs, nur mit den Tauchern aus dem eigenen Panga zu teilen.

Die Tauchgänge sind alle super. Wir kämpfen ziemlich mit der limitierten Luft und der teilweise starken Strömung. Nicht nur deshalb handelt es sich bei Cocos um anspruchsvolles Tauchen. Man muss wirklich sehr darauf achten, keine Dekompressionstauchgänge zu machen, denn alle Spots, außer Manuelita Garden liegen um die 30 m Tiefe. Zu sehen gibt es so viel, dass man eigentlich nicht weiß, wo man zuerst hinsehen soll. Für die meisten sind natürlich die großen Haie das Highlight, aber an den Felsen wimmelt es von allen möglichen großen und kleineren Fischen, viele Arten von Makrelen, große Rochen, gigantische Fischschwärme, Thunfische, Kugelfische und vieles mehr. Unser Highlight des Tages: Bei Manuelita Deep gibt es eine Höhle, in der sich circa fünf große Mamorrochen eng aneinander schmiegen.

Das erste mal gibt es an diesem Abend ein 4-Gänge-Menü im festlich eingedeckten Speisezimmer - absolut wundervoll!

Nach dem Abendessen gibt es, wie ab heute an allen weiteren Tagen, den Plan für den Folgetag und dann schauen wir uns noch ein Video über Haie an, mit tollen Bildern und vielen Informationen.

Ich fange heute meine Nitrox Ausbildung an, die sich über die kommenden zwei Tage hinzieht, und vor allem im Erlernen der Theorie aus einem Buch und einer anschließenden theoretischen Prüfung besteht.

 

Dienstag, 18.9.2012

Heute und an allen folgenden Tagen werden wir am frühen Morgen, also noch vor dem Aufstehen, die Bucht wechseln, in der wir ankern. Immer im Wechsel werden wir in Chatham Bay oder in der Weston Bay ankern. Unterscheiden tun sich die beiden Buchten ganz gewaltig, in Weston haben wir eine sehr schlechte Internetverbindung (Die Verbindung ist gerade gut genug, um die Herzen aller, die ihre Liebsten zu Hause gelassen haben, oder ihre Eindrücke schleunigst der Welt mitteilen möchten, höher schlagen zu lassen.) in Chatham sind wir tatsächlich völlig von der Welt abgeschnitten.

Heute ist der erste Tag mit vier Tauchgängen, der Zeitplan sagt, 8 Uhr, 11 Uhr, 15 Uhr und ein Nachttauchgang um um 18 Uhr. Hört sich stressig an, ist es am ersten Tag auch, wir werden uns aber daran gewöhnen. 

Heute ist Carlos unser Panga Guide, auch diese wechseln täglich, entweder tauchen wir mit Carlos oder mit dem Kapitän der Wind Dancer, Mauricio. Nach den ersten beiden Tauchgängen in Punta Maria und Dirty Rock hab ich das Gefühl mein Kopf explodiert und kann nur dank einer Ibuprofen weiter tauchen. Später in der Woche erfahren wir, dass zu Beginn einige Taucher starke Kopfschmerzen hatten, ob das an der Umstellung oder vielleicht doch am Gasgemisch liegt, bleibt offen.

Highlights aus den Vormittag-Tauchgängen: In Punta Maria hängen wir 10 min an der Kante einer Putzerstation, in der sich 7-10 Galapagoshaie tummeln. In Dirty Rock sehen wir dann unsere ersten Hammerhaie und einen riesigen fish ball aus Makrelen.

Am Nachmittag geht es nach Pajara, wo wir einen wunderschönen Adlerrochen aus dem Blauen auf uns zu schwimmen sehen. Beeindruckend waren auch die Sandaale, die auf einem weitläufigen Feld unter Wasser überall ihre Köpfe aus dem Sand steckten. Der Nachttauchgang in der Chatham Bay ist völlig stressfrei und sehr, sehr schön. In der Nacht werden die Weißspitzenhaie aktiv und die Hummer kriechen aus ihren Verstecken.

Nach dem Abendessen und dem Plan für den nächsten Tag geben Carlos und der Profi-Fotograf Franco noch eine kurze Einführung zur Unterwasserfotografie mit praktischen Tipps.

 

 

Mittwoch, 19.9.2012

Leider steht der heutige Tag ganz im Zeichen eines Taucherunfalls. Carlos taucht nicht mit, weil er sich um David kümmern muss. David ging es nach dem Check Dive nicht gut, weswegen er die Tauchgänge am zweiten Tag nicht mitgemacht hat. Am Abend zuvor haben wir uns beim Dinner darüber unterhalten, dass er Atembeschwerden und Kribbeln in den Füßen hatte und bereits zwei Flaschen Sauerstoff geatmet hat. Da er aber vollkommen konservativ und nicht gegen die Regeln getaucht war, also keine Gründe für eine echte Dekompressionskrankheit vorlagen, ist er heute, weil es ihm wieder besser ging, mit zum Tauchen gefahren. Der erste Tauchgang war kein Problem, aber nach dem zweiten ging es ihm wieder sehr schlecht. Ein Arzt konnte zum Glück bei einem der anderen in Cocos ankernden Boote aufgetrieben werden und hat Dekompressionskrankheit diagnostiziert. David musste ein Katheter gelegt werden, und dann sind er und seine Freundin mit einem anderen Boot, das an diesem Abend planmäßig die Insel verlassen hat, zurück nach Puntarenas gefahren. Er wurde dort medizinisch weiter versorgt und kam für mehrere Stunden in die Druckkammer. Die Crew hat sich hervorragend um alles gekümmert und man wurde überhaupt nicht von den dramatischen Ereignissen beeinträchtigt. Erst am Abend hat Carlos dann alle über die Vorfälle informiert. Bis zum letzten Tag haben wir immer wieder ein Update bekommen, wie es David geht, denn Carlos war mit dem behandelnden Arzt in Kontakt. Leider war David auch noch am Tag der Abreise aus Puntarenas im Krankenhaus, er konnte zwischendurch seine Beine nicht bewegen, es ging ihm aber immer besser. Am Ende unseres Trips haben Taucher, die nicht sofort nach Hause fliegen mussten, David im Krankenhaus besucht und das Video der Woche wurde ihm und seiner Frau gewidmet.

Nun zum Tauchtag an Bord. Die Umstände waren durchaus unschön, es hat den ganzen Tag sehr heftig geregnet, nicht ein einziges Mal hat sich die Sonne gezeigt. Unter Wasser waren die Lichtverhältnisse schwierig und es war relativ  trüb. Dafür konnten wir das Schauspiel beobachten, wie plötzlich riesige Wasserfälle von den Klippen der Insel ins Meer stürzen. Gegen Abend war das Wasser um uns herum trüb und braun, allerdings nur an der Oberfläche, darunter war klares Salzwasser.

Es ging heute nach Alcyone. Als am Vorabend der Name in der Tagesplanung fiel, ging ein Raunen durch den Raum, denn offensichtlich ist das einer der besten Plätze auf Cocos. Ob es nun am Wetter lag, oder nicht, wir waren nicht so beeindruckt. Beim ersten Tauchgang konnte man immerhin einige Hammerhaie erahnen und es gab auch große Fischschwärme. Der zweite Tauchgang am selben Ort war viel besser. Ich habe endlich Schildkröten gesehen - plötzlich tauchten sie auf der anderen Seite einer Unterwasserklippe auf, und schauten mich etwas bedröppelt an, bevor sie ganz gemächlich davon schwammen. 

Den Nachmittagtauchgang hätten wir fast abgesagt, weil das Wetter einfach so erbärmlich war, haben uns dann aber doch durchgerungen, und wir wurden mit einem wundschönen Tauchgang in Manuelita Garden belohnt, wo wir viele tolle Fotomotive gefunden haben. Wundschön war ein Unterwassersandfeld, das voll war mit Seesternen, sozusagen wortwörtlich ein Himmel auf Erden. Und als Papa versuchte einen Fischschwarm zu fotografieren, saß er plötzlich in ebendiesem fest – mehrere hunderte Fische umkreisten ihn minutenlang, offensichtlich der Meinung, es handele sich um einen Felsen. Ich hatte ein tolles Bild vor Augen, die Kamera saß leider in der Mitte des Geschehens fest.

Nach Manuelita Garden sind wir dann auch noch einmal mit zum Nachttauchgang gefahren. Der Plan war es, Weißspitzenriffhaie beim Jagen zu beobachten. Also sollten zehn Taucher ihre Lampen auf einen Spot am Boden richten, zu dem die Haie dann geschwommen kommen. Beunruhigt hat mich, dass der Guide meinte, falls wir Angst bekommen, weil es so viele sind, dann sollen wir einfach kurz das Licht ausdrehen - die Frage wäre dann nur, wie man das den neun anderen Tauchern begreiflich machen soll...Wir hatten es tatsächlich geschafft an die 20 Haie zusammen zu locken und sie wirkten zwar hungrig, aber entweder gab es nicht zu fressen, oder nichts, was ihrem Geschmack entsprach - eine sehr spezielle, aber vor allem lustige Art zu tauchen! Am Abend gab es dann viel Wein......

 

Donnerstag, 20.9.2012

Da Panga 1 jetzt zwei Taucher weniger hat und offensichtlich alle Fotografen in Panga 2 sitzen, wechseln die beiden Schweizer in Panga 1. Damit sind wir jetzt nur noch acht Taucher in unserem Panga.

Es ist ein wunderschöner Tag mit viel Sonnenschein und ganz ohne Regen. Sich in den Pausen auf Deck zu sonnen ist wirklich sehr verführerisch, aber man muss höllisch aufpassen, damit einem der Pelz nicht verbrennt. 

Heute betauchen wir Dirty Rock und Wiking Rock,  zwei Felsen in der Wafer Bay, die in direkter Nachbarschaft zur Weston Bay liegt, in der wir ankern. Bei Dirty Rock handelt es sich um einen Felsen, der aus dem Wasser ragt und bis auf 40 Meter runter geht. Wir haben uns bei 20-30 Meter in die Felsen gekrallt und darauf gewartet, dass die Haie kommen. Hier haben wir dann auch endlich einen Hammerhai so nah vor der Kamera gehabt, dass wir ein gutes Foto machen konnten. 

In Punta Maria, wo der zweite Tauchgang stattfand, warteten am Ende des Seils, an dem man sich zum Tauchplatz abseilt, zwei Schildkröten auf uns. Wir tauchen wieder zur Putzstation weiter, an der leider dieses Mal keine Haie zur Körperpflege angetreten sind. 

Am Nachmittag geht es dann zum Wiking Rock, wo wir einen Galapagos Hai treffen und Yoko sich im fish ball tummelt - dabei entstehen sehr schöne Fotos.

Am Ende dann schließlich der letzte Nachttauchgang, und der findet wieder in Manuelita Garden statt. Die Weißspitzenhaie sind wieder sehr agil, und obwohl wir dieses Mal zu zweit unterwegs sind, und nur einen echten Lichtkegel haben, präsentieren sie sich im Schein unserer Lampe. Wir finden auch einen sehr schönen Mamorrochen am Sandboden, mit dem wir ein schönes Foto machen. Für mich ist es der beste Tauchgang des Tages, sehr entspannt und voller schöner Momente. Kurz vor dem Auftauchen stirbt Papas Lampe und nachdem ich verstanden habe, dass ich meine Lampe ausschalten soll, erleben wir das Fluoreszenz Spektakel, das durch Plankton und Bewegungen ausgelöst wird, ein echtes Feuerwerk unter Wasser.

 

 

An diesem Abend erzählt mir der Fotograf von seiner Arbeit und wie schwierig es derzeit als professioneller UW-Fotograf ist, gegen die Amateurkonkurrenz anzukommen, weil diese eben auch immer besser wird, vor allem Dank des guten Equipments. Nachdem ich einige von Papas Bildern und von den anderen Fotografen an Bord gesehen habe, kann ich mir das sehr gut vorstellen! Die Nacht wird noch lang und weinreich, der nächste Morgen kommt viel zu früh...

 

Freitag, 21.9.2012

Wir wachen in Chatham Bay auf und zum zweiten mal geht es nach Alcyone. Das ist der einzige Tauchplatz, an den beide Pangas fahren, allerdings hintereinander und das Tauchen findet zeitversetzt statt. Vor zwei Tagen war Panga 1 immer zuerst da, jetzt sind wir dran, das heißt vor allem, dass es dieses Mal schon 7.45 Uhr losgeht. Aber wie werden wir entschädigt! Das ist es, warum man nach Cocos kommt, Hammerhaischulen ohne Ende, die uns umkreisen. Einzelne Hammerhaie, die ausbrechen und einem sehr nah kommen. Jede Menge gute Fotomotive. Und was für eine Art zu tauchen: aus dem Panga mit leerem Jacket in die stürmische See und so schnell wie möglich das Seil gegriffen, dann am Seil runter, hingehockt und sich berieseln lassen. Ich war offensichtlich so sehr mit meiner Umgebung verschmolzen, dass ein Fisch meinen Finger, der sich am Felsen festhielt, für essbar hielt und mich ordentlich gebissen hat - was für ein Schock!  Nach dem Tauchgang witzeln wir im Panga darüber, dass wir das nächste mal Popcorn mitnehmen sollten! Nach einer kurzen Pause an Board der Wind Dancer, in der alle mit diesem etwas blöden, glückstrunkenem Gesichtsausdruck durch die Gegend laufen, fahren wir zum zweiten Mal nach Alcyone und, obwohl nicht ganz so aufregend wie der erste, ist es ein fantastischer Tauchgang.

 

Auszug aus einem Cocos Island Tauch-Logbuch: Heute sahen wir Hammer, Weißspitzenriff-, Tiger-, Galapagos- und ozeanisch Schwarzspitzenriffhaie in einem einzigen 30-minütigem Tauchgang. …

 

 

 

Papa wird zum zweiten Mal, nach einem Tauchgang am Wiking Rock, von einem Seeigel aufgespiesst. Seit dem ersten Mal wissen wir aber, dass die blaue Farbe und der Stachel sich im Körper auflösen und man einfach nichts tun kann, außer warten.

Es gibt auch noch einen Nachmittagtauchgang, da wir aber bereits zweimal sehr lang, sehr tief getaucht sind (Wenn der Computer ca. 1 min vor Dekostop anzeigt, kann man beobachten, wie aus allen Felsspalten Taucher hastig, schräg nach oben, auf das Seil zu schwimmen.), geht es "nur" nach Manuelita Garden. Dieses Mal seilen wir uns an einer Boje ab, an deren Ende drei Frogfische, zwei schwarze und ein roter, in einem Anker hausen. Die lassen sich ja wirklich durch nichts stören. Am Ende dieses Tauchgangs sieht Papa als einziger den Tigerhai, der seit kurzem die Insel besucht. Zu dieser tollen Begegnung kommt es, während sich drei Taucher in seiner unmittelbaren Nähe befinden, und sehr konzentriert den Sandboden untersuchen. Danach ist er erst einmal der gefragteste Mann an Board des Bootes! 

Als der andere Panga zurück kommt, hat er einen Vogel an Board, ein Jungtier, das nicht fliegen kann und aus dem Nest gefallen sein muss. Die Taucher haben ihn aus dem Wasser gefischt. Die Ranger auf der Insel sagen jedoch, dass sie nichts für das arme Tier tun können und wir mussten es an einem Felsen aussetzen. So grausam kann die Natur sein...

Mir machen schlimme Nackenschmerzen immer mehr zu schaffen. Laut unserem Kapitän Mauricio ein Zeichen dafür, dass ich bestens, also immer mit Kopf hoch und um die eigene Achse schauend, tauche...die Schmerzen sind es wert und Gott sei Dank hat einer der Brasilianer Zauberbalsam aus dem Dschungel dabei. An diesem Abend gehen wir bald nach dem Abendessen in die Kabine und schauen Herr der Ringe im kabineneigenen Fernseher mit integriertem DVD Player. Ich bin aber so erschlagen von der bisherigen Reise und den Schmerzmitteln, die ich gegen die Nackenschmerzen nehme, dass ich fast sofort einschlafe....

 

Samstag, 22.9.2012

Der vorletzte Tauchtag bricht an. Wir liegen in der Weston Bay, und alle schreiben noch ein letztes Mal nach Hause, weil es morgen zur Chatham Bay geht und dann Funkstille bis Puntarenas herrschen wird.

Unser erster Tauchgang führt nach Punta Maria. Wir sehen zwei tolle Galapagoshaie, die uns auch sehr nah kommen. Die Strömung ist heftig und der Tauchgang sehr anstrengend. Nach kleinen Verständigungsproblemen unter Wasser geht Papa dann beim Sicherheitsstopp auf 5 m Höhe die Luft aus und wir müssen beide aus meiner Flasche atmen. Ich bin erstmal stocksauer, aber im Nachhinein ein denkwürdiger Augenblick und sehr souverän gelöst!

Der nächste Tauchgang findet an Papas erklärtem Lieblingsspot statt - in Dirty Rock. Hier tummeln sich massenweise Fische, man findet alles, was Cocos zu bieten hat in Hülle und Fülle, unter anderen entstehen wunderschöne Bilder von mir im Fischschwarm.

Heute besuchen wir nach dem Mittagessen dann auch die „Isla del Coco“. Es ist ein zauberhafter Ort, fast ehrfürchtig betritt man diese unberührte Insel. Wir werfen einen Blick auf die Ranger Station und die Unmengen an Leinen und weiteren Fischereiutensilien. Diese Sachen nehmen die Ranger den Fischerbooten ab, die verbotenerweise in einem Umkreis von 22 km um die Insel fischen, vorausgesetzt sie erwischen sie, was mit einem einzigen alten Patrouillenboot schwierig ist. 

Der letzte Tauchgang bringt uns nach Manuelita Deep. In einem einzigen Tauchgang sehen wir hier Galapagoshaie, Weißspitzenriffhaie, Hammerhaie, den Tigerhai und ozeanische Schwarzspitzenhaie, dazu noch den ganzen anderen Cocos-Kram. Cocos rocks! Wo sonst bekommt man so etwas geboten.

Nach dem Abendessen wird besprochen, ob wir am nächsten Tag zu den Dos Amigos fahren. Da die anderen Boote dort aber in den vergangenen Tauchgängen Pech hatten, und die Fahrt dorthin sehr lang und beschwerlich ist, wird einstimmig beschlossen, die letzten beiden Tauchgänge in Alcyone zu machen. An diesem Abend sitze ich unter einem wunderschönen sternenklaren Himmel noch lange mit Johnny, James und Rafael auf Deck. Wir beschließen noch eine Runde im Meer zu  schwimmen, was in einer wilden Springerei von Deck ins Meer ausartet. Irgendwann tauchte ein Hai im Wasser auf. Wir erfahren in den kommenden Tagen, dass selbst bei Tag an der Wasseroberfläche schwimmende Menschen von Haien in Cocos attackiert wurden und wir der Crew einen ganz ordentlichen Schrecken eingejagt haben. Von nun an wird Baden in der Nacht an Board der Wind Dancer verboten sein. 

 

„Isla del Coco“: Wacklige Füße betreten die Insel, die Robert Lewis Stevenson zu seinem Roman „Die Schatzinsel“ inspiriert haben soll.

 

Sonntag - Dienstag, 23.9.2012 - 25.9.2012

Heute also die letzten beiden Tauchgänge in Alcyone. Wieder einmal wunderbare Haisichtungen, wenn auch nicht mit ganz so guten Bedingungen, wie beim letzten Mal. Insgesamt stellen wir fest, dass die Bedingungen, also Sichtweiten, Wetter, Haisichtungen, Strömungen und Temperaturen unter Wasser die ganze Woche über besser geworden sind. Keiner möchte jetzt schon seine Sachen packen, aber nach dem zweiten Tauchgang werden die Pangas entladen und auf das Boot gehoben und gegen Mittag legt das Boot in Richtung Festland ab. Wir werden nun wieder ca. 36 Stunden Richtung Festland fahren, werden tolle Sonnenauf- und Untergänge mitten auf dem weiten Ozean sehen, und Regenbögen. Alle an Bord sind Freunde geworden Die Zeit verbringen wir jetzt damit, über das Erlebte zu reden, Fotos und Videos der anderen anzuschauen und von neuen Reiseziele zu reden. Außerdem sehen wir uns gemeinsam das Video der Woche an, ein Zusammenschnitt aus Über- und Unterwasseraufnahmen, die Carlos im Verlauf der Woche gemacht hat. Eine wunderschöne Erinnerung!

Wir legen am 25.9.2012 gegen 9 Uhr abends in Puntarenas am Hafen an, verbringen noch eine letzt Nacht an Bord der Wind Dancer und werden am frühen Morgen von den Bussen zu einer Tour, zum Hotel oder zum Flughafen gefahren. Der Abschied fällt uns allen furchtbar schwer. Es war eine ganz besondere Zeit an Bord der Wind Dancer und im Wasser vor den Küsten von Cocos Island, die wir alle nie vergessen werden.

 

Nur einer von vielen atemberaubenden Sonnenuntergängen.

 

Dienstag - Donnerstag, 25.9.2012 - 27.9.2012

Um noch ein bisschen etwas von Costa Rica mitzunehmen gehen wir mit Rudi, dem Busfahrer, der uns auch schon nach Puntarenas gebracht hat, auf Tour zu den Krokodilen und zum Zip Lining durch den Dschungel.

Am Nachmittag kommen wir in San Jose an, sind völlig erschöpft, und nach einem gemeinsamen Abendessen mit Uwe klingt der Abend gemütlich und früh aus.

Am nächsten Tag wird ganz entspannt ausgeschlafen und nach einem ausgedehnten Frühstück wandern wir ins nächste Dorf. Wir schauen uns noch ein Tierheim für wilde Tiere an und dann geht es zum Flughafen nach San Jose und ab nach Hause.

 

Ziplining im Dschungel Costa Ricas und Treffen mit den Krokodilen.

 

Interessante Links

 

Franco’s Homepage: http://www.banfi.ch/

 

Kapitän’s Logbuch der Wind Dancer: http://www.dancerfleet.com/CaptsLog-Archives.php?vessel=13