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              Der Weiße Hai vor Guadalupe/Mexiko - Torsten Giebel

Carcharodon carcharias - Der Große Weiße Hai - Ein Name, der Unwissende erführchtig erschaudern lässt und jedem Großfischfan einen träumerischen Gesichtsausdruck verpasst. Ein Blick in die schwarzen Augen der Bestie, bitte.

Nach fast zwei Jahren der Planung und Vorbereitung war es jetzt endlich soweit und die Reise zu den Großen Weißen Haien konnte beginnen.

Die reine Flugzeit nach San Diego dauerte 14 Stunden (plus 7 Stunden Wartezeiten). Es folgte eine Busfahrt von ca. 2 Stunden über die Grenze nach Mexico und zum Schluss noch die Überfahrt vom Hafen in Ensenada nach Guadalupe (von weiteren 22 Stunden). Die Erschöpfung ließ sich auch durch viel Kaffee nicht verbergen.

Bei der Überfahrt wurden wir noch kurz durch eine kleine Schule Orkas begleitet, was nach Aussagen der Crew in neun Jahren erst zum zweiten Mal vorkam.

Nun lagen wir aber hier vor Anker und die Sonne ging langsam auf. Keiner der 23 Taucher, die hier an Bord waren konnte seine Aufregung verbergen. Was würde uns erwarten? Stimmten die Geschichten von den gefräßigen und gierigen Räubern, die man im TV manchmal so sieht?

Was wir in den nächsten 3 Tagen zu sehen bekamen sollte unser Bild von der "Fressmaschine Hai" doch gewaltig ändern. Wir erlebten einen eleganten, fantastischen und sehr scheuen Räuber, der lieber aus der Entfernung zweimal schaut, bevor er etwas näher an die Käfige schwimmt. Das Bild konnte man eher mit einem Rudel Hunde vergleichen, die zwar sehr neugierig, aber dennoch zu scheu waren näher an die Käfige heranzuschwimmen.

Klar kamen sie auch dichter an die Käfige, was das Herz jedes Fotografen erfreute. Aber dennoch, immer sehr bedacht und vorsichtig.

Die Nautilus Explorer nutzt als einziges Boot "Submersible Cages". Das sind Käfige, die von der Oberfläche auf 12 Meter Tiefe abgelassen werden, um so die Haie im tieferen Wasser beobachten zu können. Jeder der zwei Käfige hat eine Luftversorgung von der Oberfläche und für den Notfall noch zwei oder drei 12 Literflaschen mit an Bord, falls die Haie die Luftversorgung durchbeißen sollten. Es befinden sich noch zwei weitere Käfige am Heck des Schiffes, die an der Oberfläche bleiben. Da die Haie nicht angefüttert werden, kommen sie aber eher selten an die Oberfläche.

Hier schwammen die Haie dann nach ein paar Minuten um uns herum und beobachteten uns. Wir bekamen alle 2 Stunden für etwa 30 Minuten die Gelegenheit in die Käfige zu steigen, was auch wirklich keiner ausließ. Das macht am Tag dann etwa 4 Tauchgänge pro Taucher.

Die Tiere waren alle zwischen 4m und 5,5m groß und hatten irgendwie eine Art von Rangordnung, die auch jeder einzuhalten schien. Alles in allem also sehr vorsichtige und ruhige Tiere. Das heißt natürlich nicht, dass ein Hai eine Gelegenheit auslassen würde, einen unvorsichtigen Seehund, die auf der Insel leben, zu jagen und zu fressen. Letztlich müssen auch die Haie fressen, um zu überleben (wenn der Mensch sie lässt). Doch wenn man bedenkt, dass nach wissenschaftlichen Zählungen um Guadelupe (als einem von den wenigen Plätzen auf der Welt, an denen Große Weiße leben) lediglich 94 Tiere anzutreffen sind, wird klar, dass es um die Spezies nicht sehr gut bestellt ist.

Es ist eine sehr lange und beschwerliche Reise zu den großen weißen Haien, aber jeder der den Weißen Hai als Das sehen möchte, was er wirklich ist, und nicht die reißerische, menschenfressende Bestie, dem kann ich eine Reise nach Guadalupe/Mexico nur wärmstens empfehlen.

Die Wassertemperaturen liegen hier im Oktober so bei 20°C. Ein 7mm Anzug mit Kopfhaube und eventuell ein Paar Handschuhen, sind also zu empfehlen.

Noch eines zum Schluss. Die Augen eines weißen Hais sind nicht schwarz. Sie sind dunkelblau mit einem kleinen braunen Ring.